Methodik Mit Open Space in die kreative Pause gehen.

© Miyeon Choi | Die Open Space Methode auf dem Berlin Campaign Forum 2024
Auf Konferenzen und bei Vorträgen kommen Menschen zusammen, die gleiche Probleme haben, ähnliche Ziele verfolgen und Erfahrungen teilen. Doch die Zeit, dort voneinander zu lernen, ist begrenzt. Häufig bleibt nur die Kaffee- oder Mittagspause, um sich auszutauschen. Die Methode „Open Space“ kehrt dieses Prinzip um.
Open Space beruht auf einer simplen Idee: der kreativen Pause. Der US-amerikanische Organisationsentwickler Owen Harris entwickelte Open Space in den 1980er Jahren. Er beobachtete bei Konferenzen, dass die Kaffeepause den Teilnehmenden oft mehr Erkenntnisse brachte als die eigentlichen Vorträge. Mit Open Space integrierte er die lockere Atmosphäre einer Pause in die Gruppenarbeit. Das Besondere daran: Ob 20 oder 100 Personen, die Methode ist skalierbar und eignet sich für verschiedene Größenordnungen.
Wie funktioniert Open Space?
Am Anfang sammelt die Gruppe Themenvorschläge, über die sie reden möchte. Diese werden z.B. mit Post-Its an einer Wand festgehalten. Ist alles geklebt und angehängt, finden sich Freiwillige, welche Themen aus der Sammlung vorstellen.

© Miyeon Choi | Vor der Session

Die Gruppe stimmt per Handzeichen gemeinsam darüber ab, welche Themen davon interessant sind. Wie viele Sessions danach parallel durchgeführt werden, ist abhängig von der Anzahl der Vorschläge, der Teilnehmer*innen und der verfügbaren Besprechungsräume. Pro Thema bilden sich Kleingruppen und die Session beginnt.
Ziel ist es, immer mehrere Themen zur Auswahl anzubieten. Vorschläge, für die sich besonders viele interessieren, sollten in der Session-Planung möglichst nacheinander angeboten werden.
Eine Agenda oder einen Plan braucht es nicht. Ideen brainstormen, Erfahrungen teilen oder gemeinsam Fragen in den Raum werfen – alles ist erlaubt. Wichtig ist: Voneinander lernen. Sowie: Kreativität kann nicht erzwungen werden. Es ist toll, wenn sich während einer Session spannende Diskussionen mit vielen Ideen ergeben. Ist das nicht der Fall, war es nicht der richtige Moment dafür.
Die Erwartungen sollten dementsprechend heruntergeschraubt werden. Alle Ergebnisse, die in einer Session entstehen, sind relevant. Jede Person, die mitmacht, ist dort richtig. Die Diskussion wird durch unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen belebt. Hat jemand eine konkrete Erwartung an den Austausch, sollte dies angesprochen und der Gruppe mitgeteilt werden.

© Miyeon Choi | Während der Session

Die Session wird von „Convenors“ geleitet. Der Begriff kann hier mit Initiator*innen gleichgesetzt werden. Die Funktion übernimmt oft die Person, welche das Thema vorgestellt hat. Die Convenor moderieren nicht, stellen aber sicher, dass sich die Teilnehmenden in ihren Redebeiträgen abwechseln. Zu den weiteren Aufgaben dieser Rolle zählt auch, ein Protokoll über alle Beiträge, Fragen und Ideen der Gruppe anzufertigen.
Während der Session gilt das Gesetz der zwei Füße: „Gehe weiter, wenn du nichts beitragen oder lernen kannst“. Das bedeutet, man kann innerhalb der Session auch zu einer anderen Gruppe wechseln und sich dort einbringen. Dabei zeigen Teilnehmende oft zwei typische Verhaltensweisen, die metaphorisch als „Hummeln“ und „Schmetterlinge“ beschrieben werden.
„Hummeln“ bewegen sich von Gruppe zu Gruppe, ähnlich wie sie von Blüte zu Blüte fliegen, und tragen dadurch Gedanken und Ideen in verschiedene Diskussionen hinein. Sie fördern so den Austausch und die Vernetzung zwischen den Sessions.
„Schmetterlinge“ hingegen verweilen an einem Ort und ziehen andere durch inspirierende Gespräche oder neue Perspektiven an – manchmal entstehen so ganz neue Diskussionen und Ideen.
Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Eine Session muss nicht länger sein als nötig. Sie kann vorzeitig beendet werden, wenn alles gesagt wurde. Sie kann verlängert werden, wenn die Gruppe noch nicht am Ziel ist. Am Ende kommen alle Beteiligten wieder zusammen. Die Convenor stellen die Ergebnisse vor und pinnen die Protokolle sichtbar für alle im Raum an. Oft ergeben sich dann hier Gespräche über die Ergebnisse, die dann zu weiteren Sessions führen können.

© Miyeon Choi | Nach der Session

Warum lernen wir durch Open Space?
Open Space fördert soziales Lernen - eine Lerntheorie, die auf Gruppenarbeit basiert. Die Idee dahinter: Menschen sind soziale Wesen, die in der Gemeinschaft am besten lernen, weil dort mehrere Lerneffekte gleichzeitig passieren.
Durch Open Space..
- arbeiten wir aktiv miteinander
- lernen wir Menschen mit verschiedenen Erfahrungen kennen
- nehmen wir neue Perspektiven ein.
- vernetzen wir uns über ein gemeinsames Thema
Das Besondere an Open Space als Methode ist, dass wir uns als Gruppe selbst organisieren und..
- über Themen reden, die wir selbst mitbringen
- die Gruppe wechseln, wenn wir nichts beitragen oder lernen können
- unsere Erwartungen herunterschrauben dürfen: Alle Ergebnisse, die in einer Session entstehen, sind relevant. Jede Person, die mitmacht, ist richtig.
Open Space schafft eine Lernumgebung, die unsere intrinsische Motivation aktiviert. Das bedeutet, die Gruppenarbeit fällt uns leichter, weil wir den Aufbau und den Inhalt der Session gemeinsam gestalten. Wir kommen außerdem einfacher auf Ideen und Erkenntnisse, weil wir die kollektive Intelligenz und Erfahrung aller Teilnehmenden nutzen können. wegewerk nutzt die Methode z.B. bei der Durchführung von Konferenzen für die Non-Profit-Community.
Open Space eignet sich..?
für | eher nicht |
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engagierte Diskussionen, da TN ihre Themen selbst bestimmen. |
bei unklarer Beteiligung, da die Session von der Anzahl der TN abhängig ist. |
flexibles Arbeiten, da es keine feste Agenda gibt. |
bei konkreten Erwartungen, da die Ergebnisse schwer vorhersehbar sind. |
unkompliziertes Networking, da der Austausch untereinander im Vordergrund steht. |
für introvertierten Personen, da Mitmachen im Vordergrund steht. |
größere Gruppen, da bis zu 100 Personen daran teilnehmen können. |
bei wenigen Kapazitäten, da Planung und Durchführung zeitintensiv sein können. |
Ihr möchtet besondere Methoden mit eurem Team ausprobieren?
Wir tauschen uns gern bei einem Kaffee mit euch aus und stellen vor, welche Methodik zu eurem Team passt.